Nicht immer hat man genügend Zeit, um sich in einer Kneipe in Ruhe niederzulassen und mit Freunden bei einem Bier zu plaudern. Und auch beim Einkauf fürs Wochenende kann es mal passieren, dass man eine wichtige Zutat vergisst oder einfach spontan Heißhunger auf eine Leckerei bekommt. Für all diese (Not)Fälle können wir uns als Hannoveraner glücklich schätzen, mit einer sehr hohen Kioskdichte gesegnet zu sein. Tobias Jungnickel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die hannoverschen Kioske zu erfassen und in einer Übersicht bereitzustellen. Im Kioskguide kann jeder User Kioske nachtragen und bewerten. Eure Redaktion traf sich beim Bier mit Tobias und plauderte ein wenig. Viel Spaß beim Lesen des Protokolls.
Wie lange betreibst Du schon den Kioskguide Hannover?Ich hatte die Idee mit mehreren Kumpels. Der Plan war, den Leuten zu zeigen, wo sich in der Nähe ein Kiosk befindet. Außerdem sollten die Nutzer fehlende Kioske und Daten selbstständig nachtragen können. Mit der Umsetzung habe ich dann letztendlich 2007 gestartet. Da ich den Kioskguide nebenbei in meiner Freizeit betreibe, kann ich mich dem Projekt nur phasenweise voll und ganz widmen. Es gibt immer Hochzeiten, zu denen ich besonders aktiv bin und viel für die Seite mache. Während der Klausurenphasen war es dann natürlich etwas weniger.
Nutzer des Kioskguides können selbst Kioske eintragen bzw. aktualisieren. Bist Du zu Beginn selbst los und hast die ersten Kioske erfasst?
Ja, die ersten Kioske habe ich selbst eingetragen. Vor allem aus den Stadtteilen Linden Nord, Calenberger Neustadt, Mitte und Nordstadt. Da habe ich dann alle Kioske abgeklappert, damit ich für die Seite eine gewisse Erstbefüllung habe. Alle anderen Kioske, die danach hinzugekommen sind, wurden von Nutzern des Kioskguides nachgetragen.
Welche Kriterien können die Nutzer bei einem Kiosk angeben?
Wichtig ist die genaue Adresse des Kiosks, damit ich den Kiosk zuordnen kann. Die Nutzer suchen ja schließlich den nächstgelegenen Kiosk. Daneben können Bierpreise (der hannoverschen Biersorten), Öffnungszeiten und Personal bewertet und angegeben werden. Über die Öffnungszeiten können sich die User gezielt die Kioske anzeigen lassen, die zurzeit geöffnet haben. Bei den sonstigen Informationen können außerdem spezielle Besonderheiten genannt werden, die den Kiosk auszeichnen. Natürlich kann man auch ein Bild hochladen. Unter dem Punkt „Aktuelles“ können Kioskbetreiber und Kunden darüberhinaus auf aktuelle Aktionen hinweisen.
Unterscheidest Du in Deinem Blog zwischen Kiosken und Trinkhallen?
Nein, da gibt es bei mir keine Unterscheidung. Aber zur generellen Erklärung: Einige Kioskbetreiber sehen es nicht so gern, wenn man vor dem Kiosk sein Bier trinkt. Bei Trinkhallen ist das meistens anders. Hier gibt es häufig kleine Vorräume, die den Gästen Obdach gewähren, damit sie in Ruhe ihr Feierabendbier trinken können.
Gibt es neben dem von Erna Koch noch weitere Kioske mit Kult-Charakter?
Ich glaube, Erna Koch ist schon am längsten im Geschäft. Ich weiß aber, dass der Leinau-Kiosk in der Limmerstraße die meisten Kommentare im Kioskguide hat. Der Betreiber wird dort sehr häufig für seine Freundlichkeit gelobt und scheint bei vielen Hannoveranern sehr beliebt zu sein.
Wie viele Kioske gibt es eigentlich in Hannover?
Laut eines HAZ-Artikels sind offiziell 229 Kioske in Hannover angemeldet. Im Kioskguide sind bereits 193 Kioske eingetragen. Ich schätze das Potenzial in Hannover auf über 400. Hannover dürfte damit eine der größten Kioskdichten in Deutschland haben.
Hast Du einen Unterschied zwischen den verschiedenen Stadtteilen festgestellt?
Auffällig ist, dass es in Linden Nord und auch in der Nordstadt besonders viele Kioske gibt. Was ich hingegen festgestellt habe, ist, dass in Linden Süd sehr viele Kioske geschlossen haben. Wir haben früher Kiosk-Touren gemacht und dabei an jedem Kiosk auf ein Bier Halt gemacht. Das hat sich nach einigen Stationen in Form eines steigenden Alkoholpegels bemerkbar gemacht. Als wir die Tour nach einiger Zeit wiederholt hatten, stellten wir fest, dass viele der ehemaligen Kioske zu waren.
Ist der Kioskguide schon bei den Kioskbesitzern bekannt?
Ich glaube, allzu viele Besitzer kennen die Seite noch nicht. Nachdem in der HAZ ein Artikel über den Kioskguide erschienen ist, gab es aber durchaus Kioske, die mir ihr gesamtes Sortiment mit den dazugehörigen Preisen geschickt haben. Das war aber eher die Seltenheit.
Gibt es vergleichbare Kioske auch im Ausland?
Soweit ich das weiß, sind Kioske so wie wir sie kennen ein typisch deutsches Phänomen. Während meines Studiums war ich für eine gewisse Zeit in Spanien. Dort gab es zwar auch kleine Geschäfte, die allerhand anboten, das waren aber eher Tante-Emma-Läden.
Hast Du persönlich einen Lieblings-Kiosk?
Eigentlich nicht. Es hängt natürlich immer davon ab, wo ich gerade wohne bzw. unterwegs bin. Als ich noch in Linden gewohnt habe, hatte ich dort meinen Stamm-Kiosk um die Ecke. Der hat jetzt inzwischen leider auch geschlossen, vielleicht liegt’s daran, dass ich dort nicht mehr wohne … Und gerade in Hannover hat man ja eine ungeheure Auswahl, sodass man nicht immer nur auf einen oder zwei Kioske angewiesen ist.
Was hast Du für die Zukunft geplant?
Ideen gibt es einige. Zum Beispiel möchte ich die Kioskguide-App erweitern. Momentan kann man darüber nur sehen, wo sich die Kioske befinden und was sie bieten. Denkbar ist aber, dass man auch über die App Kioske, die ich momentan nicht im Bestand habe, nachtragen kann. Das ist natürlich praktisch, wenn man sowieso unterwegs ist und dann bei Bedarf den Kiosk in den Guide einträgt oder um fehlende Inhalte ergänzt. Außerdem gibt’s bisher nur eine App für iPhone, aber auch Android und andere Betriebssysteme wären interessant. Aber das hängt natürlich alles von der Zeit ab, die ich gerade zur Verfügung habe.
Besten Dank an Dich für das Interview, Tobias.
Hier geht’s zum Kioskguide Hannover.
Die iPhone-App zum Kioskguide Hannover könnt Ihr hier kostenlos herunterladen.


